10 fatale Fehler, die Facebook-Einsteiger immer wieder machen

Facebook Marketing

Mit dem Relaunch dieser Seite habe ich mich entschlossen, eine neue Kategorie einzuführen: Marketing für Selfpublisher. Das sind Autoren, die ihre E-Books und Bücher ohne Verlagsunterstützung herausbringen, und deshalb auch ihr Marketing selbst in Angriff nehmen müssen.

Ich habe mich dazu entschieden, weil ich selbst zu den Selfpublishern gehöre und aufgrund meiner Werbetexter-Erfahrung einige Tipps und Tricks kenne, die Marketing-Einsteigern weiterhelfen können (jedenfalls hoffe ich das sehr 😉 ).

Die Tipps in dieser Kategorie sind jedoch keineswegs nur für Autoren interessant – jeder, der Marketing betreiben muss, sollte hiervon profitieren können. Los geht es mit Facebook, dem Social-Media-Kanal, der von den meisten „B-to-C“-Unternehmen für Kundenpflege genutzt wird.

Die 10 schlimmsten Facebook-Fehler, die Ihr Marketing zunichte machen

Wer als Autor oder sonst im „B-to-C“-Bereich auf Facebook unterwegs ist, hofft im Allgemeinen, durch seine Aktivitäten Aufmerksamkeit und im besten Fall Verkäufe zu generieren. Die Enttäuschung ist groß, wenn dann die eigenen Beiträge keine genügende Resonanz erfahren und keine nennenswerten Verkäufe auf die Werbung folgen.

Das liegt an dem weit verbreiteten Irrtum, bei Facebook handle es sich um eine Werbeplattform, auf der man kostenlos seinen Werbelink streuen kann und dann gigantische Erfolge einfährt. Dem ist nicht so. Social Media sind nicht dazu da, mit Werbung zugespammt zu werden. Facebook ist geeignet, um einen Kundendialog zu führen und (als Autor) mit seinen Lesern in Kontakt zu kommen. Es ist nützlich, um seine Autorenmarke aufzubauen und um Fans zu gewinnen, die ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Buch an andere weiterempfehlen. Es eignet sich, um guten Kundenservice zu bieten und Fragen der Kunden und Leser zu beantworten.

Als Autorin, die täglich auf Facebook unterwegs ist, habe ich 10 Kardinalfehler entdeckt, die leider von vielen „Laien-Marketern“ immer wieder gemacht werden:

1. Fehler: Freunde mit Werbung zukleistern

Die meisten beginnen ihre Facebook-Karriere damit, sich einen Freundeskreis aus Gleichgesinnten aufzubauen. Wer aus beruflichen Gründen hier unterwegs ist, sollte bereits in dieser ersten Phase überlegen, was er erreichen will: Austausch mit Kollegen? Austausch mit potenziellen Kunden/Lesern? Für Autoren sind sicher beide Ziele wichtig, und dementsprechend sucht man sich Gruppen, in denen Lesen, Selfpublishing und Bücher das Thema sind.

So weit, so gut. Doch jetzt kommt der Fehler: Nachdem die Freundschaftsanfrage oder der Gruppenbeitritt bestätigt ist, schicken viele ungeschickte Autoren als Erstes die Aufforderung, doch die und die Fanseite zu „liken“ oder – noch schlimmer – den Link zu ihrem neuesten Buch.

Damit vergrätzen Sie Ihre neuen Freunde sofort. Sie wollen sich mit Ihnen austauschen – und nicht als erstes Ihre Werbung sehen. „Man erkennt die Absicht und ist verstimmt“!

Wie geht es besser? Bescheiden bleiben. Sich erst einmal in Ruhe einlesen, um ein Gefühl für den Umgangston zu bekommen, der im Freundeskreis/in der Gruppe herrscht. Und erst dann zur Fanpage einladen, wenn man Interesse und Wohlwollen gewonnen hat.

Und nie vergessen: „Content is king.“ Also wertvolle, interessante Diskussionsbeiträge mit Mehrwert.

2. Fehler: Keine Fanpage nutzen

Es gibt Facebook-Nutzer, die aus professionellen Gründen Mitglied sind – und trotzdem nicht den Unterschied zwischen einem privaten Profil und einer Fanseite kennen! Das Ergebnis: Der mühsam aufgebaute Freundeskreis wird mit Werbelinks und –Postings überschwemmt. Toll. Merke: Nicht jeder Leser will Ihr Freund werden, und Sie wollen auch nicht alles, was Sie auf Facebook posten, mit Ihren Lesern teilen.

Dafür ist die Fanpage da! Dort sollen die Leser Ihr Fan werden, und dort können Sie ihnen Textproben, nette Zitate, hübsche Bilder von den Schauplätzen Ihres Romans und so weiter anbieten. Hier ist der Platz für interessante (!) Neuigkeiten zu Ihrem Produkt, Buch, Ihren Veranstaltungen und Lesungen, für Ihre Antworten auf Kunden- und Leserfragen.

Um eine Fanseite zu erstellen, gehen Sie auf https://www.facebook.com/pages/create.php und befolgen Sie einfach die Anweisungen.

3. Fehler: Mitglied in „Werbegruppen“ zu werden

Es gibt tausende von Facebook-Gruppen, die speziell zum Posten von Werbung erstellt wurden. Nun mal ehrlich: Wer wird Mitglied in so einer Gruppe? Die Leser/Kunden? Wohl kaum! In Wirklichkeit treiben sich ausschließlich Mitglieder dort herum, die ihre eigene Werbung „an den Mann oder die Frau“ bringen wollen. Nur – keinen in dieser Gruppe interessiert das! Alle wollen dort nur ihren eigenen Werbelink abwerfen … Wie schlau ist es also, dort Mitglied zu werden? Eben.

„Gehe da hin, wo dein Kunde ist“, lautet eine Marketing-Weisheit. Und der ist gerade nicht Mitglied in einer Werbegruppe. Suchen Sie daher eine Gruppe, die sich für das interessiert, was Sie anbieten. Wer Nähmaschinen verkauft, sollte sich eine Näh- oder Handarbeitsgruppe suchen. Und dort schauen, was die Mitglieder posten, worüber sie diskutieren und welche Fragen sie haben.

4. Fehler: Ständig nur denselben Werbelink posten

Es ist so schön einfach: Link kopieren, in neuen Beitrag einfügen, fertig. Vielleicht noch mal den Klappentext zum Buch kopieren, darüber einfügen … und dann in 20 Gruppen posten. Das sieht so schön aus: Das Buchcover ist in voller Pracht zu sehen, ein bisschen Klappentext wird auch eingeblendet … und schnell geht es auch noch.

Bloß – es wirkt nicht. Nervt nur. Denn wer sieht diesen Link? Richtig: Ihre Freunde und Gruppenmitglieder. Und das nicht nur einmal. Obwohl sie Ihr Buch vielleicht schon haben. Oder es sowieso nicht lesen würden, weil sie nicht auf das Genre stehen, in dem Sie schreiben. Was tun sie also? Erraten – sie überblättern es. Oder klicken gleich auf „nicht mehr anzeigen“. Oder entfreunden sich.

Besser ist es, auf solch plumpe Werbung zu verzichten. Wie wäre es stattdessen, mal das Buch eines Kollegen zu empfehlen, das Sie selbst gelesen haben und das Ihnen gefallen hat? Die Chancen stehen gut, dass sich jemand anderes dafür revanchiert. Und es sieht dann nicht nach Werbung aus, sondern nach einer echten Empfehlung.

Ein weiterer Punkt, warum es nichts bringt, ständig einen Werbelink zu posten: Links werden im Allgemeinen von Facebook seltener eingeblendet als Text-, Video- oder Bildbeiträge. Und entgegen einem weit verbreiteten Aberglauben ist der Grund nicht, dass Facebook mit solchen Links Geld verdienen will. Sondern es handelt sich bei diesen Links nicht um originelle Beiträge! Wie viel origineller ist es, ein hübsches Foto mit ein paar netten Worten zu posten – und für Interessierte am Ende noch schnell den Link einzufügen (wenn es denn unbedingt sein muss). Wer wissen will, wie das funktioniert, sollte Fan der Seite https://www.facebook.com/KindleDirectPublishing werden.

5. Fehler: Missliebige Beiträge löschen oder hämisch kommentieren

Depositphotos_38876551_xsMan nennt sie Trolle: Sie meckern, stänkern und kritisieren. Gerade im Internet. Geht ja so schön einfach, man muss niemandem dabei in die Augen schauen und kann sich hinter seinem Profilbild verstecken. Jeder kennt das. Unzufriedene Meckerer bevölkern weltweit das Internet und tun dort das, was sie sich im richtigen Leben nicht trauen – sie ziehen mal so richtig vom Leder.

Dumm nur, dass viele „Facebook-Einsteiger“ hierauf in der gleichen Weise reagieren und sich damit auf dieselbe Ebene wie diese fiesen Trolle begeben.

Wer auf unangemessene Beiträge aggressiv reagiert, disqualifiziert sich selbst. Und das Schlimmste: Du gibst dem Troll auch noch Nahrung! Er zehrt von Ihrer Energie, die Sie aufwenden, um sich zu ärgern!

Besser: Ignorieren.

Falls sachliche Kritik angebracht wird, sollten Sie darauf ebenso sachlich und professionell reagieren: Danken Sie für die objektive Meinung, die Ihnen hilft, besser zu werden. Und rechtfertigen Sie sich nicht!

6. Fehler: Keine #hastags benutzen

„Was sind denn Hashtags?“, werde ich immer wieder gefragt. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um Schlüsselwörter, denen ein „hash“ – also das #-Zeichen – vorangestellt wird. Diese Schlüsselwörter kann man anklicken, um alle aktuellen Beiträge anzusehen, die dieses Wort verwendet haben. Beispiel: Sie posten einen Textausschnitt Ihres noch nicht erschienenen Liebesromans. Am Ende der Textprobe können Sie dann beispielsweise #liebesroman, #ebook oder auch #liebesgeschichte einfügen. Wer diese Suchbegriffe bei Google oder bei Facebook eingibt, erhält eine Auflistung der Beiträge mit diesen Hashtags – Sie werden also in der Suchmaschine besser gefunden!

Das funktioniert auch mit #krimi, #thriller, #fantasy, aber Sie können ebensogut auch Hashtags nutzen, die gerade besonders beliebt sind. Ein Tipp: Bei Twitter werden Ihnen die gerade „angesagten“ Hashtags angezeigt. Wenn einer davon zum Thema Ihres Postings passt, nutzen Sie ihn ruhig.

Diese Methode, besser sichtbar zu sein, wird viel zu selten angewandt (auch von mir, ich vergesse es oft einfach 😉 ).

7. Fehler: Zu häufig auf der Fanpage posten

Jeden Tag ein Beitrag – na ja, das geht gerade noch. Werden Ihre Fans jedoch mit Beiträgen überschwemmt, stumpfen sie ab. Und Facebook merkt das. Deshalb werden Ihre Beiträge dann nicht mehr allen Fans angezeigt. Forschungen haben ergeben, dass die Seiten am erfolgreichsten sind, die nicht täglich, sondern nur ein- bis dreimal in der Woche posten – und dann eben keine Werbung. Sondern interessante Inhalte: Sei es ein hübsches Bild, eine Textprobe, eine Frage an die Fans oder ein schönes Zitat. Solche Beiträge will sich kein Fan entgehen lassen – und entsprechend häufiger wird er Ihre Seite aufrufen und/oder Ihre Beiträge teilen.

8. Fehler: Eine zu große Zielgruppe ansprechen

Nicht jeder liest alles. Wenn Sie also Vampirromane schreiben, suchen Sie Fans, die genau das mögen. Nutzen Sie dazu die schon beschriebenen #hashtags. Und grenzen Sie Ihre Zielgruppe für Werbung ein, falls Sie eine bezahlte Werbeanzeige auf Facebook schalten. Wie das funktioniert, lesen Sie am besten unter http://www.ebookboss.de/ebook-marketing-eine-werbeanzeige-bei-facebook-schalten/ nach.

Jedes Buchgenre hat eine bestimmte Zielgruppe. Sie ist übrigens meistens weiblich: 80 % aller „Vielleser“ sind Frauen! Bestimmen Sie zusätzlich die Altersgruppe, auf die Ihre Bücher zugeschnitten sind, und denken Sie darüber nach, welche Bücher anderer Autoren Ihre potenziellen Leser sonst noch lesen.

Werben Sie ausschließlich dort. Nur, wer grundsätzlich an Vampirromanen interessiert ist, wird auch Ihren Vampir-Schmöker lesen wollen. Warum sollten Sie also Ihr knappes Werbebudget an Leute verschwenden, die nur auf Krimis oder Schnulzen stehen?

9. Fehler: Jammern, dass Facebook die Beiträge zu selten anzeigt

Ein häufiges und immer wieder auftretendes Phänomen ist das Jammern über das böse, böse Facebook, das uns zwingen will, für Werbung zu bezahlen. Indem es unsere Beiträge zu selten anzeigt, sodass sie noch nicht mal von unseren Fans gelesen werden.

Hierzu gibt es zweierlei zu sagen:

Erstens: Jammern hilft nicht. Tun Sie etwas! Schreiben Sie interessante Inhalte (als Autor müsste Ihnen das möglich sein), die von anderen geteilt werden. Animieren Sie die Fans zum Mitmachen – stellen Sie ihnen Fragen, antworten Sie auf ihre Fragen. Wie gesagt: Content is king. Der Unterhaltungswert Ihrer Seite zählt!

Zweitens: Nicht alles, was gut ist, ist kostenlos. Warum nicht mal testweise 20 Euro in eine wirklich gute Werbeanzeige investieren? Für diesen Betrag können Sie je nach Zielgruppe und Werbeziel in einer Woche bis zu 40.000 Interessierte aus Ihrer Zielgruppe erreichen – etwas, das kostenfrei so nicht möglich ist. Nicht alle werden gleich Ihr Buch kaufen. Aber es ist einen Versuch wert – vor allem, wenn Sie eine Preisaktion oder ein Gewinnspiel veranstalten.

10. Fehler: Nichts Persönliches von sich preisgeben

Nur, weil Sie unter Pseudonym schreiben, sollten Sie sich noch lange nicht dahinter verstecken.

Datenschutz- und Privatsphäre-Bedenken können Sie sich als Autor nicht leisten:

Die potenziellen Kunden/Leser wollen Sie kennenlernen! Sie möchten wissen, wie Sie ticken, was Sie gerne haben und vielleicht auch, was Sie verabscheuen. Nur ein richtiger Mensch kann menschliche Gefühle wecken.Und letztendlich sind es Gefühle, die verkaufen!

Sommer_ArbeitsplatzWas schadet es, mal ein Bild von Ihrem Arbeitsplatz, Ihrer Katze oder Ihren Lieblingsblumen zu zeigen? Erzählen Sie Ihren Fans ruhig auch mal, dass Sie heute auf der Terrasse schreiben konnten, weil das Wetter so schön ist, oder dass bei Ihnen zum Schreiben ein Liter Kaffee auf dem Schreibtisch dazugehört. Alles Menschliche macht Sie sympathisch und bringt Sie Ihren Lesern näher. Nutzen Sie für solche Beiträge die Fanpage, die Sie unter Ihrem Pseudonym angelegt haben.

Fallen Ihnen noch mehr Fehler ein – oder haben Sie noch mehr Tipps, wie es besser geht? Dann freue ich mich über Ihren Kommentar!

(Bildquelle: oben http://de.depositphotos.com/portfolio-1020618.html – Kesu01, Mitte http://de.depositphotos.com/portfolio-1724125.html – memoangeles, unten Katrin Weber)

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Katrin Weber,

    Werbung wird allgemein als Mittel, um mit Kunden in Kontakt zu treten definiert. Nun lese ich hier: „Facebook ist keine Werbeplattform, sondern ein Mittel, um mit Kunden in Kontakt zu treten …/…“

    Zugegeben, ich bin verwirrt. Entweder sollte die Industrie ihre Ansicht korrigieren, oder möglicherweise Sie…

    lG
    L. Spilker

    • Lieber Herr Spilker,

      Werben und mit Kunden in Kontakt zu treten sind doch zwei Paar Schuhe. Werbung ist Kundengewinnung und Akquise. Mit Kunden in Kontakt zu treten bedeutet nach meiner Auffassung hingegen Kundenservice und -pflege. Das hat mit Werbung nur indirekt zu tun. Nicht jede Werbung führt im Übrigen zum Kundenkontakt – zum großen Leidwesen der Werbetreibenden 🙂 Wie schon Henry Ford feststellte: „50 Prozent meiner Werbeausgaben sind ´rausgeschmissenes Geld. Wenn ich nur wüsste, welche 50 % …“
      In diesem Sinne
      Herzlichen Gruß
      Ihre Katrin Weber

  2. Hallo Katrin,

    aber wenn Beiträge beworben werden sollen, bitte nicht die Funktion „Beitrag bewerben“ auf der Fanpage nutzen, sondern immer den Werbeanzeigenmanager von Facebook nutzen 🙂

    Viele Grüße, Florian

    • Lieber Florian, herzlichen Dank für diesen Tipp! Stimmt, auch ich habe durch diesen Fehler schon Geld verbrannt …
      Liebe Grüße

      Katrin

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